Oury Jalloh
Die Geschichte wiederholt sich, jeden Tag. Im Umfeld der Oury-Jalloh-Gedenkdemo wurde eingeschüchtert, verfolgt, festgenommen und wieder einmal geprügelt, mit Reizgas angegriffen.
Die Geschichte wiederholt sich, jeden Tag. Als ich meiner Englischdozentin erklären wollte, dass während der Studentendemo letztes Jahr Leute mit Reizgas angegriffen wurden, musste sie lachen.
Die Geschichte wiederholt sich, jeden Tag.
Die Geschichte wiederholt sich, jeden Tag.
Die Blicke, die ich sehe. Die Blicke, die ich blicke. Privileg – das Pfund Puderzucker in meiner Fresse. 41 Schüsse auf einen Mann mit einer Geldbörse. Dutzende Jahre im Knast.
Ich geh an ihnen vorbei im Kiosk. Der Kiosk wird zum Kampfplatz, im Moment noch nur in meinem Kopf. Gebrochene Nase. Renne durch die Straßen, bis sie vergessen. Aber ich, ich vergesse nicht. Ich will nicht vergessen, und will nicht vergeben, das interessiert mich nicht. Ich will ändern. Verhindern. Mit den Stimmbändern, wenn es geht. Mit der Faust, wenn nicht.
Meine Solidarität gilt den Opfern der Polizeigewalt auf der heutigen Oury-Jalloh-Demo in Dessau – und allen Opfern des Systems, das diese Gewalt will und fordert – und braucht.
