In Sachen Troy Davis
Ein Mann in einem grauen Anzug sitzt hinter einem geschmackvollen Schreibtisch in einem geschmackvollen Büro; er ist nett zu seiner Sekretärin, respektvoll zu allen Angestellten seiner Firma, er begreift sich als derjenige, der ihnen die Arbeit zu erleichtern hat, er ist alles andere als arrogant oder gedankenlos, er ist keiner von denen, für die „Grübeln“ etwas Schlechtes ist…
Der Mann ist einer, der als ziemlich aufgeklärt gilt. Der Mann ist einer, der sich im Frühjahr gefreut hat, als all die Revolutionen in Arabien liefen, und der hofft, dass da noch mehr passiert, der hofft, dass auch hier eines Tages…aber den Gedanken verbietet er sich meistens, er hat eben zu viel zu tun.
Er findet Strafe gut. Keine „strenge Strafe“. Law and order sind ihm zuwider. Er hat nicht die Grünen gewählt, um in zu sein. Aber Strafe ist nützlich.
Als auf Facebook nach „Todesstrafe für Kindervergewaltiger“ gefragt wurde, hat er mit „nein“ geantwortet, er lehnt das ab, das ist barbarisch, aus dem letzten Jahrhundert… Jahrtausend… er kann eine gewisse Verachtung für die Amerikaner mit ihrem Todesstrafensystem nicht verhehlen. Für China sowieso nicht.
Aber Strafe ist nützlich. Sie funktioniert. Wie soll falsches Verhalten sonst behandelt werden? Strafe muss human sein. Wiedereingliederung ist wichtig. Schieflagen im Justizsystem müssen behoben werden. Er zog nicht alle falschen Schlüsse aus den Zahlen.
Strafe bleibt aber unverzichtbar. Wir schulden sie keinem Gott und auch nicht dem Opfer – sondern dem Täter. Strafe ist die Negation der Negation des Rechts. Der Täter wird wiedereingegliedert. Rehabilitiert. Das Recht und sein Verhältnis zum Recht ist wiederhergestellt.
Im Gedenken an
alle Opfer perverser, staatlich organisierter und richterlich abgesegneter Morde,
alle, die durch das nutzlose, bösartige, unterdrückende System staatlicher Strafe leiden,
und alle, die in Zukunft noch sterben müssen, weil wir zu schlecht sind, sie leben zu lassen.
